The Aftermath – Zu Tisch

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Vielen Dank an die Keller III – Crew, besten Dank an Sophia, die sich so hingebungsvoll um alles und alle gekümmert hat. Die Organisation war on point und die zwei Wochen waren eine super Zeit im Keller. 🙂 Danke auch an alle Mitkünstler, Gäste, neue Kontakte und Freunde für die guten Gespräche und den regen Austausch und fürs Dasein.

Techtalk: Photos – Minolta X700 / f1.7 / CineStill800T@1600
Soll ja keiner sagen, ich hätte in den zwei Wochen im Keller nur getrunken und geraucht.

Phönix – ein Versuch


„Die meisten von uns sind lebendige Wesen.
Das Blut, dass durch unsere Adern gepumpt wird. Das Herz, das unermüdlich schlägt und das Fleisch, die Muskeln, das Gehirn, ein schwammiger Klumpen in einem Kopf von jedem von uns. Seltsame Vorstellung, während ich dich so ansehe mit deinem Feuerherz, zwischen den Raucherlungen, schwarz vom Teer, verklebte Bronchien, da leuchtet ein Herz, warm und hell, wie ein glühender Ball aus flüssigem Stahl. Jeder der genau hinhört, versteht es und trotzdem versteckst du es. Gut so. Nicht jeder Mensch ist dafür gemacht.

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Ich habe einen Krimi gelesen über einen Serienmörder, der seinen Opfern den Brustkorb aufschlitzt und die Lungen als Engelsflügel über die Schultern legt. Du hättest schwarze. So edel – so düster.

Mein Herz glüht nicht, nicht mehr. Nur manchmal wird es angefacht und glimmt aufgeregt, bis es durchbrennt und zu Asche zerfällt. Strohfeuer. Immer. Bis ich das Glühen nicht mehr ertrage und die Asche wegfege. Dann kommt ein neues, wie ein Phönix – ein mickriger, gerupfter Phönix, unfähig zu fliegen, brennt auch gar nicht richtig. Hier und da ein Feuerchen, ein versuchter Brand. Das wars.

Auf ein Mal saß da an seiner Stelle eine Krähe, kein anmutiger Feuervogel, eine einfache Krähe, guckt sich frech um und pickt nach meinen Innereien, hüpft auf und ab und schlägt aufgeregt mit den Flügeln. Bloß ihre Federn wollen kein Feuer mehr fangen.“

Haufen

2017

I fell 4 you in Vietnam


Ich entscheide mich, meinen Sidecut nachzuschneiden, während ich darauf warte, dass die Tiefkühlpizza fertig wird. Der Langhaarschneider brummt mir ins Ohr. Es ist 4 Uhr morgens. Die Sonne geht auf und alles ist tot. Bevor ich schlaflos im Bett liege und mir über meinen Tod und denselbigen geliebter Menschen Sorgen mache, muss ich etwas tun.

Ich fühle mich seltsam ausgeschlafen. Wach, wie bei einer Eingebung.

Als ich mich auf den Boden setze – zwischen den toten Haarbüscheln und mich im Spiegel ansehe, weiß ich, dass da noch mehr ist und dass es meine Aufgabe ist. Die fehlenden Haare lassen mich wie eine Kriegerin aussehen. Ich male mir mit schwarzem Lippenstift einen Kreis ums linke Auge und von der Unterlippe senkrecht über mein Kinn einen dicken Strich.

Dann verbrenne ich mir die Zunge, obwohl ich seltsam redselig bin. Besser, als mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen.

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Dieser Fetzen aus Baumwolle, den ich trage, ist jetzt mein Kettenhemd und die Jacke meine Rüstung. Ungeduscht verlasse ich die Wohnung. Bin nur mal eben Zigaretten holen. Der Sommer ist da. Das Laub aus dem letzten Jahr glitzert wie Bernstein in der Sonne, die kaum wärmt. Man muss genau hinspüren um einen Hauch Wärme zu bekommen.

Ich kann mich in den Rinnstein legen und darauf warten, dass jemand kommt und mich anschreit. Von hier aus kann man gut die Ameisen zählen. Sie sehen so beschäftigt aus, dass ich ihnen meine Geschichten lieber vorenthalte. Während ich wegträume strecke ich meine Arme aus. Meine Fingerspitzen berühren den Stahl der Gleise. Gleich wenn sie kommt, verliere ich eins oder mehrere Fingerglieder. Vermutlich fühlt es sich dann so an, wie das Knacken, als meine Freundin meine Finger in der Schiebetür eines VW-Busses einklemmt. Erst kommt der Schock, dann blutet es und Jahre später können alle Beteiligten drüber lachen. Die Bahn rumpelt und quietscht vorbei, Staub wirbelt in mein Gesicht. Mit dem Zeigefinger zerdrücke ich eine Ameise. Dann kommen sie und holen mich. Meine Rüstung schützt mich. Wehrhaft wie ich bin, halte ich mein brennendes Feuerzeug in die Höhe. Fauchend weichen sie zurück. Ich werde sie blenden, bis sie blind sind und mich verstecken, bis mich niemand findet. So schnell kriegen sie mich nicht [klein].
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2018