Pötzer Landwehr

Heute mache ich mal eine Ausnahme. Es gibt nicht Bilder von mir, sondern aus der Kamera meines Vaters. Ich finde sie so ungezwungen und gleichzeitig unheimlich kunstvoll, dass ich sie gerne zeigen möchte.
barnhimmelkerzespinne

Heute, am 02. Februar, wäre mein Vater 65 Jahre alt geworden. Leider ist er im November verstorben. Den Film habe ich aus seiner alten Minolta gerettet und er muss im Sommer 2016 belichtet worden sein.
Ich habe lange überlegt, ob das passt. Ob man das veröffentlichen kann. Ich habe mich dazu entschieden, weil mein Vater vielleicht doch einen gewissen Teil dazu beigetragen hat, dass ich jetzt so viel fotografiere.
Meine erste kindliche Begegung mit einer Kamera war die Cosina CT7, die in der Diele an der Garderobe hing. Vermutlich werde ich als kleines Mädchen unwissentlich den ein oder anderen Film ruiniert haben, weil ich öfter damit herumgespielt habe. Sie hat mich später – mittlerweile im Teenageralter –  auch in den ersten Berlinurlaub mitsamt Festival begleitet, weil im Verlustfall weniger kostspielig und insgesamt robuster als eine Digitalkamera. Im Studium sollte ich sie dann tatsächlich von meinem Vater geschenkt bekommen, als ich ihm am Telefon erzählte, dass ich Fotoseminare an der Uni besuche. Als ich das gute Stück letztes Jahr mit einem defekten Blitzgerät kurzgeschlossen habe, hat er zunächst versucht mir am Telefon zu helfen, sie zu reparieren. Als auch das aussichtslos schien, hat er mir einfach eine neue geschenkt. Es ist das selbe Modell.

Mein Vater war kein Künstler oder Fotograf, aber ich finde die Doppelbelichtungen ganz besonders. Es bedeutet für mich, dass jeder etwas machen – erschaffen kann, ungeachtet jeglicher Vorbildung, solange man Freude daran hat und wagt, etwas auszuprobieren. Aber sie sind auch deshalb besonders, weil sie voll sind mit persönlichen Erinnerungen: die Scheune an der Straße und der Blick aus dem Fenster in den Vorgarten, wo der Ranunkelstrauch blüht. Sogar an die Blattform der Zaubernuss erinnere ich mich.

Schneemann.jpgWinter 199? / Garten hinterm Haus

PS: Danke fürs Lesen. Es war mir wichtig, das alles zu zeigen und vielleicht hilft es auch ein bisschen, nicht mehr ganz so durcheinander zu sein. Nächste Woche – weniger melancholisch – wieder Fotos von mir.

Ein Gedanke zu „Pötzer Landwehr

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