Phönix – ein Versuch


„Die meisten von uns sind lebendige Wesen.
Das Blut, dass durch unsere Adern gepumpt wird. Das Herz, das unermüdlich schlägt und das Fleisch, die Muskeln, das Gehirn, ein schwammiger Klumpen in einem Kopf von jedem von uns. Seltsame Vorstellung, während ich dich so ansehe mit deinem Feuerherz, zwischen den Raucherlungen, schwarz vom Teer, verklebte Bronchien, da leuchtet ein Herz, warm und hell, wie ein glühender Ball aus flüssigem Stahl. Jeder der genau hinhört, versteht es und trotzdem versteckst du es. Gut so. Nicht jeder Mensch ist dafür gemacht.

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Ich habe einen Krimi gelesen über einen Serienmörder, der seinen Opfern den Brustkorb aufschlitzt und die Lungen als Engelsflügel über die Schultern legt. Du hättest schwarze. So edel – so düster.

Mein Herz glüht nicht, nicht mehr. Nur manchmal wird es angefacht und glimmt aufgeregt, bis es durchbrennt und zu Asche zerfällt. Strohfeuer. Immer. Bis ich das Glühen nicht mehr ertrage und die Asche wegfege. Dann kommt ein neues, wie ein Phönix – ein mickriger, gerupfter Phönix, unfähig zu fliegen, brennt auch gar nicht richtig. Hier und da ein Feuerchen, ein versuchter Brand. Das wars.

Auf ein Mal saß da an seiner Stelle eine Krähe, kein anmutiger Feuervogel, eine einfache Krähe, guckt sich frech um und pickt nach meinen Innereien, hüpft auf und ab und schlägt aufgeregt mit den Flügeln. Bloß ihre Federn wollen kein Feuer mehr fangen.“

Haufen

2017

2 Gedanken zu „Phönix – ein Versuch

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